Weggepflückt

Der Wonnemonat Mai. Das Leben in den Gewässern ist erwacht und vielerorts beginnt die Hechtsaison.

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Logisch das es uns da, heiß wie Frittenfett, ans Wasser zieht.
Denn in kaum einem Monat des Jahres übt das Wasser auf uns Raubfischangler eine wohl größere Anziehungskraft aus, als jetzt. Verständlich, denn unser Gerät und unsere Leidenschaft für das Hechtangeln haben über die Monate des Winters und der darauf folgenden Schonzeit genügend Enthusiasmus aufladen können.

Besonders die langsam aus der Kältelethargie erwachenden großen, tiefen Talsperren, an denen die Hechte vom Ufer sonst eher schwer zu fassen zu bekommen sind, bieten jetzt optimale Bedingungen für einen perfekten Start in die neue Saison.

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Um Die Hechte nun in diesen gewaltig erscheinenden, großen, tiefen Gewässern ausfindig zu machen, muss man im Mai kein Boot haben oder seine Köder gar auf extreme Weite bringen. Das Gute liegt nämlich jetzt ganz nah.

Flache Überflutung ist trumpf

Da große Talsperren meist eine profilreiche Uferstruktur aufweisen in der sich flachte Buchten mit mächtigen Steilufern abwechseln benötigt man nur etwas Gewässerkenntnis, um sich an die Fersen der Frühjahrshechte heften zu können. Denn man kann den Fisch nur dort fangen wo er steht. Und das sind im Mai in großen Stauseen immer die flachen und sich langsam verlandenden Buchten sowie größere Flachwasserbereiche. Dort erwärmt sich das Wasser bekanntlicher Weise am schnellsten und bietet dem Hecht nach seinem anstrengendem Laichgeschäft ideale Futter und Lebensbedingungen. Logisch das wir unsere anglerische Aufmerksamkeit nun voll auf diesen oft überschaubaren Bereich des Gewässers konzentrieren sollten.
Da Talsperren und Stauseen meist dem Zweck der Wasserregulierung dienen kann man Gewiss sein, dass oftmals ein nicht unerheblicher Anteil an winterlichem Schmelzwasser zurückgehalten wird und somit für reichlich überflutetes Flachwasser, besonders am Ende der oft zahlreich vorhandenen Buchten sorgt. Ein Idealer Laich und Tummelplatz für alles was Flossen hat.
Da diese, um oft einige Meter in die Landschaft hinein überfluteten, Flachbereiche jede Menge Pflanzen Unterwasser setzen findet vor allem unser Zielfisch, meister Esox, nun perfekte Tarn- und Lauerplätze. Aber nicht nur Tarnungen sondern auch Wärme die er für seine zur Jagd benötigte Spritzigkeit braucht. Zwischen den Graßstängeln dicht am Ufer zirkuliert das Wasser kaum, steht fast und wird von der langsam mehr und mehr an Kraft gewinnenden Sonne nun besonders stark erwärmt.

Angriff mit Jerkbaits

Dort verbergen sie sich nun. In Wassertiefen von oft unter einem Meter und im dichten Überflutungsgemüse des alljährlichen Frühjahrshochwassers.
Nur noch wenige Kunstköder sind jetzt in der Lage diese Situation zu meistern und einer davon ist zweifelsohne der auftreibende Jerkbait. Mit seiner Präzision lässt er sich mit langsamen Gleitbahnen auch im flachsten Wasser dicht unter der Oberfläche durchs Gemüse führen. Klar, der Köder läuft nicht zu schnell, bleibt dadurch lang im Sichtfeld der Räuber und stellt in den Stoppphasen ein ideal einzuschätzendes Ziel für eine Attacke dar.

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Drei bis vier kurze Schläge mit der harten Jerkrute sorgen für das verführerische Ausbrechen im Zickzackmuster bei gleichzeitigem Abtauchen des Köders. Dann ein Stopp, um den Jerk unter scharfsinniger Beobachtung wieder Richtung Oberfläche streben zu lassen. Kurz bevor er sie durchbricht schlägt man seinen Jerk wieder einige Male an. Nächster Stopp, beobachten, Biss! Blitzschnell hat ein Hecht unter dem Voranschieben einer bedrohlich wirkenden Bugwelle seinen schützenden und warmen unterstand im Graß verlassen und sich den Köder von der Oberfläche gepflückt! Aus schreckhaftem Reflex reißt Philipp seine Jerkrute hoch und schlägt beherzt an während der Hecht das Wasser im Schein der Maisonne in tausend kleine glitzernde Wassertröpfchen zerteilt.

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Beide, Philipp und dem Hecht schießt nun das Adrenalin ins Blut. Der Drill ist impulsiv und hart. Logisch da der Räuber genug Zeit hatte sich still von der Sonne im Flachwasser aufzuwärmen. Doch Philipp bleibt souverän und zieht den herrlich gefärbten und 84 Zentimeter langen Esox sicher an Land, um ihn per Handlangdung abzusichern. Freude, Erleichterung, Faszination!

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Wenn die Bedingungen stimmen und die Hechte da sind, ist diese Angelei wirklich einmalig – genießen Sie es! Ihr Sebastian Hänel

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Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH und CEO von Zanderkant.de. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen, einem gratis E-Mail-Videokurs und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

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