Vorsicht: Laichzander!

In vielen Gewässern endet am 1. Mai das Verbot von Kunstködern. Die Hechtsaison ist eröffnet. In Brandenburg ist der Hecht bereits seit 1. April frei. An Teilen der Elbe in Niedersachsen darf sogar schon ab 1.5 auf Zander gefischt werden. Oft werden in dieser Zeit von Ende April bis Mitte Mai wundersame Zanderfänge gemeldet. Selbst in Gewässern, die sonst als harte Nuss für die Glassaugen gelten, tauchen plötzlich Fangmeldungen auf.

Und auf was diese Fische dann alle gefangen werden. Blinker, Spinner, ja sogar klumpige Jerkbaits werden dann, teils verwundert, als Erfolgsbringer angegeben.

Vor allem Petrijünger, die sich sonst nicht mit dieser Fischart befassen, berichten über tolle „Fänge“.

Sehe ich mir die Fangbilder an, mit denen dann die Zander im Internet präsentiert werden, macht sich bei mir Unverständnis anstatt Freude breit. Denn meist wird dann stolz wie Bolle ein Zandermilchner im Laichkleid präsentiert. Der dann meist, wen wundert´s, im flachen Wasser gebissen hat. In diesem Zusammenhang hört man auch oft von Massenfängen, Traumangeltagen oder ein „die beißen auf alles“.

Zander beginnen mit dem Laichgeschäft ab einer Wassertemperatur von rund 12 grad. So nach und nach allerdings und nicht alle auf einmal. Nach dem Ablaichen bewachen die Milchner das Gelege, bis nach ca. zwei Wochen (je nach Temperaturentwicklung) die Larven schlüpfen.

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Dabei tragen diese Fische ein aggressives, dunkles Laichkleid mit auffällig schwarz eingefärbten Flossen. Manche Milchner sind sogar komplett schwarz gefärbt, was ihnen den Beinamen „Zanderbock“ eingebracht hat.

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Dieser ist, wenn er das Gelege gegen Fressfeinde wie Grundeln, Kaulbarsche und Aale verteidigt, äußerst unentspannt und in einem dauerhaften Erregungszustand.

Natürlich attackiert er dann jeden, selbst grundfern und atypisch geführten und Beuteschemafernen Kunstköder vehement, um diesen zu verbeißen. Das hat nichts mit Jagen oder überlisten des Zanders gemein.

01Aufmacher-Zander über hartem Grund

Angler, die auf solche Fische angeln und sich mit der Aussage, „Die setzten wir doch eh zurück, wenn sie schwarz sind“ ein reines Gewissen schaffen wollen sei gesagt:

Beim Anhieb zerstört der Zander vor Schreck in vielen Fällen mit einem Schwanzhieb sein Gelege!

Ein Ausfall, oder zumindest erhebliche Beeinträchtigung der Reproduktion ist die Folge, solcher Ego-Fangorgien. Ich kann daher alle Zanderfreunde nur bitten ein sorgfältiges Bewusstsein dafür zu entwickeln und das Zanderangeln erst ab Juni wieder zu betreiben. Oder den Platz zu wechseln, falls beim Hecht oder Barschangeln ein dunkler Zander einsteigt.

Wenn man die Wassertemperatur für sein jeweiliges Gewässer im Blick hat, lässt sich in etwa errechnen, ab wann sich wieder sportlich fair auf Zander angeln lässt. Ab 12 grad rechne ich zwei Wochen des Leichgeschäftes + zwei weitere Wochen der Brutpflege.

Mit dieser Formel komme ich meist bei Mitte bis Ende Mai raus. In den Talsperren der Mittelgebirge hatten wir oft noch in der ersten Juniwoche Zanderböcke auf den Laichnestern stehen und haben das Angeln an dieser Stelle eingestellt. Seit bitte fair und gönnt ihnen die Pause, die sie brauchen. Nach der Laich- und Brutzeit geht im Juni sowieso die beste Zeit erst los. Dafür schon mal ein dickes Petri. Ihr Sebastian Hänel

 

 

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH und CEO von Zanderkant.de. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen, einem gratis E-Mail-Videokurs und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentare (15)

  1. Ein Beitrag der alle zum Nachdenken bringen sollte.
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Danke Sebastian

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  2. sehr gut geschildert die umstände ….

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  3. Daniel Köpcke 10. Mai 2014 @ 14:12

    Sehr gut ge- und beschrieben. Das was du hier geschrieben hast wusste ich so zum beispiel noch gar nicht finde ich sehr gut dein Artikel :)

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  4. Servus, also ich finden den Bericht sehr GUT, das liest Angler, dass sich hier jemand Gedanken macht und noch lange Zeit Spaß am Angeln will.
    Die Schonzeit für mich persönlich fängt Mitte Januar an und endet Anfang Mitte Juni, dementsprechend wie das Wetter ist.
    Gruß und denke wir brauchen nicht mehr Gesetze, sondern einfach mal eine Minute über das was wir tun nachdenken. Petri

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  5. Gut geschrieben. Das ist pure Realität, die viele sog. Sportfischer (Pfannenfischer) einfach nicht wahrhaben wollen. Angle seit 7 Jahren nur im Herbst in Südschweden am Lyen (4 km südlich vom Rusken) nur auf Zander. Mein penibel geführtes Tagebuch spricht eine deutliche Sprache, wenn der Gesetzgeber weder Schonzeiten vorgibt noch Kontrollen durchführt und nur 2 Ferienhäuser (im Frühjahr meist vollbesetzt) für einen steten Abwärtstrend beim Zanderbestand sorgen.
    Und dann wird man dazu noch ermuntert, während der Zander-Laichzeit richtig loszuschlagen. So schreibt einer der beiden Ferienhausanbieter: „…Besonders in den Monaten Mai und Juni berichten unsere Gäste von aussergewöhnlichen Zanderfängen.“
    Kommentar überflüssig.

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  6. so ihr unwissenden zanderfreunde , ich werde ich mal aufklären , also hatt jemand schon mal einen zander von 15 bis 30 cm gefangen ?? egal auf was und wie ???

    also ich angel auf ihn sehr lange schon , so 20 jahre , nicht einen kleinen hab ich bekommen , nicht einen !

    warum nur ??? die frage liegt auf der hand und die antwort , iss nur nachzuvollziehen,…..!

    die schonzeit auf zander iss fürn arsch !!!

    ich halte sie seit kurzem nicht mehr ein weil meine erfahrung ist die , es nützt nichts wenn sie laichen , bewachen , und die larven schlüpfen und dann aufgrund des fehlenden plantons was die jungen brauchen verhungern und nicht ein zander von der brut übrig bleibt!!!

    unsesere gewässer sind dank der grünnen umweltpolitik so sauber geworden das zander sich nicht mehr vermehren können !!!

    nur die durch besatz eingestzten werdet ihr noch fangen , also 35cm +,…………..satzzander

    also wozu dann in duetschland noch die schonzeit ? wenn die jungen eh verhungern , na merkste wa ?? macht keinen sinn , in diesem sinne , petrie heil…………………………….

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    • Hallo Marcel,

      das sich viele Gewässer, durch die Politik erzwungene Phosphatfällung immer mehr aufklaren und der Zander dadurch seine Brut nicht mehr hochbekommt, ist richtig. Möglich das du an einem solchem Gewässer angelst. Es gibt allerdings noch viele Reviere in Deutschland, die noch nährstoffreich sind und auch welche, wo die Brut noch einigermaßen hochkommt.
      Genau dort ist es Fatal im Mai die Milcher von den Nestern zu Bolzen und dabei die Gelege zu zerstören.

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  7. Hallo Zusammen! Natürlich sind dass alles Sachen über die man Nachdenken kann! Solange es in Deutschland für Angelfischer aber unsinnige Gesetze wie die Entnahmepflicht eines jeden gefangenen maßigen Fisches gibt, egal ob er nun gewollt ist oder nicht, die von überrmotivierten Naturschützern durchgesetzt werden und das Pferd von hinten aufgezäumt wird, sind wir Angler, die eh das ganze Jahr die Freizeit für die Hege und Pflege unserer Gewässer opfern, die Idioten! Lassen wir das Angeln doch gleich sein! Eine vernünftige Waidmännische Angelei ist uns eh nicht überlassen! Statt dessen werden wir gezwungen Fische abzuschlagen die wir gar nicht wollen! Oder wir hängen in Zukunft kleine Schildchen an unsere Köder „Bitte nur Hecht! … Barsch!“ usw.

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    • Schweden Zander Angler 29. Januar 2018 @ 15:27

      Hallo, bezüglich der Entnahmepflicht ist anzumerken, daß diese ja nur für gefangene Fische gilt. Wer kennt das nicht, da hat man einen schönen Burschen am Haken, bereits in Landungsreichweite und erkennt, daß es sich um einen maßigen Fisch handelt der entnommen werden müsste. Dann schüttelt sich der Fisch nochmals kräftig, ist wieder vom Haken und schwimmt seines Weges. Das haben die übereifrigen „Naturschützer“ nicht bedacht, daß die Fische eigentlich gar nicht abgeschlagen werden wollen und sich so oft noch kurz vor Landung losreissen. Da kann man nichts machen.

      In der Region in Südschweden wo ich für gewöhnlich auf Zander gehe, gilt eine Schonzeit von 15.05. bis 15.06. Es versteht sich von selbst, daß man das einhält und in der Brutzeit den Fischen nicht nachstellt.

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  8. Ich fische im Main bei Frankfurt und mir graust schon jetzt vor dem Gedanken, daß bei der seit Dez in Hessen abgeschafften Schonzeit Horden von Idioten wärhend der Laichzeit die Milchner von den Nestern zerren.
    Die meisten Zandergewässer sind absolut nährstoffreich genug zum Abwachsen der Brut. Wenn ich so einen Bullshit von selbsternannten Experten wie Marcel höre könnte ich jedenfalls im Strahl kotzen. Ich und jeder vernünftige Angler hier halten jedenfalls trotzdem ab 10 – 12 °C 4 – 6 Wochen Schonzeit ein und verzichten eben mal aufs Spinnfischen. Auch wenns schwer fällt.

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  9. Hab schon Maßige Zander im mitte Juni im Rhein gefangen. Die hatten noch Rogen drin.Und auch im März. Die Schonzeit für Zander im Rhein sollte von 1 März- 31Juni sein. Ich gehe schon 42 Jahre am Rhein Angeln.
    Bei dem heutigen Stand der Dinge sollte der Zander ganzjährig geschont werden. Dies für 5 Jahre. So könnte sich der Bestand erholen.

    Das mit Besatzzander im Rhein ist verarsche.Gehe viel und intensiv auf Zander. Habe noch nie einen Zander mit Tätowierung am Kiemendeckel gefangen.
    Ich fange zwischen 30- 60 im Jahr und setze mittlerweile alle Zander wie auch andere Fischarten zurück. Nur so kann man was bewirken.
    Petri Heil Michael 2009

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    • Hallo Michael,

      Das Problem des Rheinzanders ist das klare Wasser. Da nützt auch keine Schonung.
      Würde der Rhein wieder nährstoffreicher und trüber, würde der Zanderbestand auch wieder extrem zunehmen.

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  10. Für den Rhein würde ich mittelfristig eine deutlich früher beginnende und auch endende Zanderschonzeit befürworten. In den letzten Jahren, so auch 2018, lag die Wassertemperatur in Köln bereits in der ersten Märzhälfte bei konstant über 12 Grad – somit zwei bis drei Wochen vor Beginn der Schonzeit am Rhein in NRW. Eine weitere Lösung wäre eventuell eine gleitende Schonzeit, die sich an der Wassertemperatur orientiert. Infolge der Klimaerwärmung wird zudem eine weitere Erhöhung der Wassertemperaturen in den Fließgewässern Mitteleuropas erwartet, so dass sich die Gewässer nicht nur stärker erwärmen, sondern auch früher bestimmte „kritische“ Temperaturen erreichen. Dem würde eine gleitende Schonzeit Rechnung tragen.
    Ich fange übrigens regelmäßig untermaßige Zander in allen Größen (natürlich nicht gezielt..) z. B. als Beifang beim Dropshoten auf Barsch. Ich hab nicht den Eindruck, dass der Zanderbestand im Rhein merklich abnimmt. Eher ändern sich die Aktivitätsphasen und Aktionsräume der Zander, bedingt durch Störungen (Lärm, Schiffe), Angeldruck und das Beutespektrum. Stellen und Köder, die z. B. 2014 regelmäßig gute Zander brachten, brachten 2015, auch bei ähnlichem Wasserstand, kaum Fisch.
    Ich bin kein Anhänger der „das Wasser im Rhein wird im nährstoffarmer, deshalb gibt’s weniger Zander“-These. Der Zander ist weiterhin der Hauptpredator im Rhein. Er konnte sich nur durch den Ausbau und Regulierung des Rheins als Schifffahrtsstraße auf Kosten des Hechts etablieren, da der Hecht kaum noch Laichgründe findet (zumindest hier in NRW). Solange ein Nahrungsangebot da ist (Kleinfisch gibt es reichlich, u. a. auch Grundeln) und konkurrierende Arten wie ggf. der Hecht sich nicht ausreichend reproduzieren können, werden sich auch die Zander als Beutegreifer halten können. Dann ist es auch egal ob das Wasser im Rhein klar oder trüb ist.

    Soweit mein Eindruck – freue mich jetzt auf das Ende der Schonzeit!

    Viele Grüße

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