Übergangsbarsche

Anfang Oktober ist eine ganz heiße Zeit für Talsperrenbarsche.

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Vor einigen Jahren entdeckte ich, zusammen mit meinem Kollegen Rene folgendes Phänomen.
Mit kleinen Gummiködern soll es auf Barsche und Zander gehen, die wir, wie jedes Jahr zu der Zeit in mittleren Tiefen um die 8 Meter vermuten. Dabei fahren wir per Boot bekannte Stellen an und fischen sie in weiten Würfen aus.

Im Übergang von warmer zur kalten Jahreszeit ist oft guter Rat teuer. Denn die Räuber sind einerseits noch verteilt und flach. Andererseits schon tief und sesshafter. Bis zum frühen Nachmittag können wir immerhin einen Zander fangen. Von Barschen keine Spur. „Zeit etwas neues auszuprobieren“ sage ich zu Rene und zeige auf eine große Bucht, die im hinteren Bereich flach ausläuft. Diesen Bereich haben wir immer mehr als stiefmütterlich behandelt. Als wir den Platz ansteuern zeigt das Echolot Tiefenbereiche von 14 bis 11 Metern an. Je weiter wir in die große Bucht vorstoßen desto flacher wird es. Aber nur allmählich. Als wir bei 9 Metern waren, tauchten die ersten Fischanzeigen über Grund auf, die immer mehr wurden als wir bei 8 Metern angelangten. Nun standen wir mittendrin.

Zum Anfang der Bucht waren es noch gute 300 Meter. Also werfen wir gleichzeitig unsere Köder Richtung Ufer aus und bekommen nach Ankommen dieser am Grund beide fast zu gleichen Zeit einen Biss. Barsche!

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Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Bei jedem Wurf bekommen wir mehrere Bisse. Immer solange bis einer der gierigen Angreifer sicher hängt. Geht dieser nach kurzem Drill etwa wieder verloren, schlägt schon der nächste in die Rute. Ein atemberaubendes Schauspiel. Als im Drill ganze Truppenteile des Schwarmes sogar bis ans Boot kamen, um den gehakten Kameraden zu folgen bemerkten wir, dass wir mitten im Barsch stehen. Vor uns, hinter uns, unter uns. Überall Barsch.

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Nach 27 gelandeten Fischen beschließen wir, erstmal zum Imbiss zu gehen und es danach frisch gestärkt erneut an unserem neuen Top-Spot zu versuchen. Als wir dort unter spannender Vorfreude ankamen und die Köder erneut auswarfen, gab es keinen Biss mehr. Die Barsche waren verschwunden.

Genau wie ein Jahr zuvor. Am letzten Septemberwochenende war René mit seinem Boot allein auf der Talsperre unterwegs. Und ich mit einem Guidinggast. Gegen Mittag klingelte meine Telefon und ein aufgeregter René sagte etwas von Barschen und Massenfängen. Er hätte die Fische am Ausgang einer Bucht durch Zufall gestellt und steht mitten drin. Natürlich wollten wir uns das Schauspiel nicht entgehen lassen und so verließen wir unsere Zanderstelle, um zu René zu gelangen. Nach 15 Minuten Fahrt standen wir neben ihm und drillten was das Zeug hielt. Es war der heftigste Tag, den ich je beim Angeln erlebt hatte. Denn wir konnten zu dritt in weniger als 4 Stunden 126 Barsche landen, die sich am Ausgang einer Bucht im Übergang zum Flachen im Tiefen sammelten und alles attackierten was auf den Grund fiel.

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Zwei Tage später war ich mit René erneut auf dem legendären Platz. Barsche fingen wir erneut. Aber nicht mal eine Hand voll. Was war geschehen?

Diese Phänomene beobachten meine Kollegen und ich nun jedes Jahr an den verschiedensten Talsperren und Speicherseen.
Ende September bis Anfang Oktober ist eine der besonderen Phasen eines jeden Jahres. Die Wassertemperatur ändert sich langsam von warm zu kalt. Vor allem die Barsche verlassen langsam das Freiwasser, welches sie vor allem in den heißen Sommermonaten nur in kleinen Grüppchen durchkämmen. Sie bilden nun größere Schwärme die sich in Grundnähe auf mittleren Tiefen sammeln.

Die Schwierigkeit dabei ist es, einen solchen Spot zu finden, da sie sich wie in großen Wolken langsam durchs Gewässer bewegen. So liegen Sternstunden und Schneidertag eben ganz dicht zusammen. Ein Patentrezept gibt es leider für das Aufspüren solcher Sammeltrupps nicht.
Es hat sich allerdings gezeigt das alle Übergänge von großen Flachbereichen ins Tiefere Wasser. Z.B. Ausgänge oder Mittelbereiche von Buchten immer Plätze sind an denen man auf große Ansammlungen von Barschen treffen kann. Da diese immer auf 6 bis 8 Meter liegen empfiehlt es sich auf Gummiköder um die 10 Zentimeter Länge zurückzugreifen und sie an Bleiköpfen von 10 Gramm konzentriert über Grund zu führen. Trifft man auf einen Schwarm Barsche fallen die Bisse meist sehr heftig aus, da mehrere Fische dem Köder folgen und sich damit in einen wahren Rausch bringen. Jeder will der erste sein, der den vermeintlichen Happen schlägt. Erfolgt ein Anhieb ins Leere wird der Shad meist sofort erneut attackiert, obwohl er noch gar nicht an gespannter Leine wieder zum Grund zurückgetaumelt ist. Die Farben der Verführer spielen dann eher eine untergeordnete Rolle. Zackig geführt locken sie sämtliche Stachelritter durch ihr größeres Aufsehen aus der Umgebung an. Wirft man immer dieselbe Bahn auf der man zuvor Bisse hatte, können die Gestreiften lange bei Laune gehalten und somit ein rasches weiterziehen des Trupps verhindert werden. Denn so schnell der Spuk begann, so schnell kann er auch wieder vorbei sein. Doch meist hat man für einige Stunden ausgesorgt sollte man wirklich eine Sammelstation zu fassen bekommen haben.

Wird es Mitte Oktober spürbar kälter gehen die Schwärme wieder etwas auseinander und ziehen sich in noch tiefere Bereiche zurück, wo sie zwar immer noch zusammenstehen aber bei weitem nicht so geballt auftreten wie zur heißen Übergangszeit.

Will man einmal in den Genuss kommen eine solche Barschgrube auszuheben sollte man sich in der Übergangszeit um Ende September herum die Zeit nehmen, alle Plätze die von einer längeren Flachzone ins Tiefe übergehen anzufahren und kurz anzufischen. Sollten die Fische wirklich am Platz sein, bekommt man sofort Bisse. Wenn nicht, sollte man weiterfahren.
Das setzt natürlich einiges an Arbeit voraus. Doch es lohnt sich.

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Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH und CEO von Zanderkant.de. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen, einem gratis E-Mail-Videokurs und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

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