Pionierarbeit

Ein Fluss ist für uns anhand seiner Strömungen lesbar und weißt bereits durch die reine Geographie und den Buhnenbau auf seine hot Spots hin. Sich einen See zu erschließen ist allerdings eine Aufgabe die viel Geduld voraussetzt, da die Wasseroberfläche wie ein Buch mit sieben Siegeln ist, welches erst durch uns entschlüsselt werden muss.

Aufmacher2

Rund um Leipzig z.B. wurden nach der Wende zahlreiche Tagebauten renaturiert und geflutet worden. Dieser Prozess verlief über mehrere Jahre sodass sich bereits bis Heute beachtliche Bestände von Barschen und Hechten in diesen neuen Seenlandschaften etabliert haben.
Riesengroß liegen sie vor einem und bäumen ihre schier unüberschaubare Wasserfront vor uns auf, weshalb viele Kollegen diese Gewässer aus Ungewissheit über Größe, Tiefe und Bestandesdichte scheuen. Diese Ungewissheiten vereinen sich dann zu einer großen Ahnungslosigkeit, wo und wie man nun damit beginnen soll, sich das neue Potenzial dieser Reviere zu erschließen. Es ist die Suche nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Hauhaufen, was uns Angler oftmals einschüchtert den Versuch an diesen neuen Ufern zu wagen.
Hier eine Art „erste Hilfe Plan“, mit dem man es schafft, an diesen fremden Seen schnell Spots zu finden und somit natürlich auch zügig an den Fisch zu kommen.

Erkundungstouren mit elektronischen Helfern

Das man Gewässer in der Größenordung von mehreren Hundert Hektar nicht an einem Tag erkundet sollte jedem klar sein. Wenn man sich aber den Kuchen Stück für Stück vornimmt und sich am neuen Revier festbeißt, kommt man mit der Zeit zu einem fundierten Wissen was die Unterwasserlandschaft angeht. Und die ist in alten Tagebeuten, durch Förderabreiten, zurückgebliebene Zufahrtsstraßen und Aufschüttungen mehr als nur stark ausgeprägt.
Für diese Aufgabe benötigen wir allerdings ein Boot, welches ggf. an vielen der Gewässer in den neu angelegten Häfen günstig zu mieten ist, mit einem Echolot an Bord (bei Leihboot am besten Portabel), um möglichst schnell erste Erkenntnisse über die Tiefenstruktur des Gewässers zu erlangen.
Schließlich wollen wir im Sommer nicht zu tief und im Winter zu flach und damit am Fisch vorbei angeln. Haben wir einen interessanten Bereich, zum Beispiel ein Plateau mit Wasserpflanzen oder ein tiefes Loch entdeckt, so kommt der zweite und vielleicht wichtigste Helfer zum Einsatz – ein Hand GPS-Gerät.

01

Dort speichern wir diesen viel versprechenden Spot unter der Verwendung passender Symbole in das Gerät ein und können somit bei jeder weiteren Tour gezielt diese Punkte ansteuern, um sie mit unseren Ködern nach beißwilligen Räubern abzusuchen. So entsteht nach und nach ein Detailliertes Bild vom Gewässer, welches uns dauerhaft zur Verfügung steht. Umso mehr Fläche wir befahren, umso deutlicher erschließt sich für uns das Bild vom Gewässer.
Wo das Schleppangeln erlaubt ist, lassen sich am Besten beim Abschleppen großer Seeareale diese „points of intrest“ finden und zusammentragen. Und wer weiß, vielleicht geht dabei schon der eine oder andere Zielfisch an die Haken.

Gezielter Energieeinsatz

Jetzt, wo wir über Detaillierte Infos zu Bruchkanten, Plateaus und unterschiedlichen Tiefenbereiche bescheid wissen, lässt sich unsere Anglerische Energie nun geballt an diesen Punkten zum Einsatz bringen. Gezielt angefahren befindet sich unser Köder nun immer an den heißesten Ecken des Gewässers und längere Phasen des Leerlaufs., die wir an uninteressanten Bereichen verbringen, rauben uns nun nicht mehr all zu viel der wertvollen Angelzeit – der Tag wird nun optimal genutzt.
Aber auch Kollegen die vom Ufer aus angreifen und sich ein neues Revier zu Fuß erschließen möchte sollten ihre Energie zunächst Punktuell dort zum Einsatz bringen, wo sich eine fängige Struktur sichtbar abzeichnet.
Wie Beispielsweise dort, wo versunkenes Holz in Wurfweite liegt welches immer ein Garant für Hecht und Barschunterstände ist. Oder da wo die Ufer steil abfallen und somit die tiefen Standorte in der kalten Jahreszeit mit einfachen Würfen erreichbar sind. Denn durch die langsame Flutung der Tagebauten, die oftmals mehrere Jahre dauerte und sich die Vegetation in dieser Zeit breit machte sind die heutigen Uferbereiche oft mit abgesoffenem Holz nur so übersäht. Manches Flachwassergebiet gleicht gar einem Mangroven Jungle. Wer hier geschickt zu Werke geht wird mit Sicherheit belohnt.

IMGP2397

Harte Bisse dank geringem Angeldrucks

Wer sich die Mühe macht ein neues, großes Revier zu erobern wird den Vorteil haben so gut wie der einzige zu sein, der sich mit den Seebewohnern anzulegen gepflegt. Dementsprechend haben die Fische keine Scheu vor den Ködern, da sie bis jetzt noch kaum Angeldruck ausgesetzt waren und ein gewisser Lerneffekt bis jetzt ausgeblieben ist. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass selbst grelle Kunstköderfarben im Glassklaren Wasser keinerlei Scheuchwirkung oder Argwohn bei den Raubfischen ausgelöst haben. Im Gegenteil, denn besonders die Großhechte und in der Dämmerung auch die Zander waren jene, die sich grell gefärbte Wobbler und Gummiköder in Dekors wie Firetiger vollends und ohne den Hauch einer Vorsicht einverleibten. Denn Räuber die keine Kunstköder kennen, werden auch fast jede Farbe und Form nehmen. Jedenfalls waren das die Erfahrungen auf diversen und frisch zum Angeln frei gegebenen Tagebauseen rum um Leipzig. Also sind die Fangchancen auch auf Seen in denen der natürliche Bestand noch nicht sehr hoch und durch Besatzmaßnahmen gestützt ist als sehr gut einzuschätzen, da das besonders gute Beißverhalten und die damit einhergehende Bissfrequenz der noch „undressierten“ Fische das Fehlen einer hohen Bestandesdichte wieder wett macht.

IMGP2844

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH und CEO von Zanderkant.de. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen, einem gratis E-Mail-Videokurs und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentar hinterlassen

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*