Kältewelle

April, April, der weiß nicht, was er will. Mal Regen, mal Sonnenschein und dann schneit es zwischenrein. Letzteres traf vor ein paar Tagen zu. Durch den Einfluss von Nordwind, strömte polare Luft zu uns und zwang uns dazu, die bereits eingemottete Winterjacke wieder aus dem Schrank zu holen. Brrr.

Auch die Natur ist auf die Bremse getreten. Alles Leben und Streben scheint erstarrt. Der Puls der Natur schlägt auf Sparmodus.

Die Wetterstationen haben es angekündigt und ich bin spontan aufgesprungen, um einen Abend an der Küste auf Meerforellen zu fischen. Ein traumhafter Sonnenuntergang über spiegelglatter See und eine schöne Bratforelle waren der Lohn.

Dafür 480 km wegzureißen muss befremdlich wirken. Aber so sind wir Angler nun mal. Auch wenn dieser Abend ganz spontan entstand, musste ich in dem Moment handeln, sonst wäre das Wetterfenster zu gewesen. Denn schon am nächsten Morgen fegte uns ein böig, kalter Wind vom Rostocker Strand. Dass dieses fiese Wetter nun fast 2 Wochen anhält, hätte keiner gedacht. Ein Glück war ich am letzten schönen Tag draußen.

Da in Brandenburg der Mitte März abgelaichte Hecht seit dem 1. April wieder freigegeben ist,
konnten meine Kollegen und ich die Kunstköder schwingen und eine tolle Barschangelei erleben.

In schattigen, von Wald umgebenen, klaren Seen waren diese noch nicht abgelaicht. Normaler Weise laichen die Barsche ab einer Wassertemperatur von 10 Grad. Diese liegt aber noch nicht überall an. Weitestgehend sind sie aber durch.

Beim wärmeliebenden Zander sieht das allerdings noch anders aus! Dieser beginnt mit dem Ablaichen ab 12 Grad und erreicht den Hochpunkt der Balz bei 14/15 Grad.

Im wärmeren Südwesten verteidigen die Milcher jetzt aktuell ihre empfindlichen Gelege, gegen zahlreiche Fressfeine. Ihre Bäuche und Flossen sind dabei noch schwarz gespränkelt. Ein Überbleibsel aus der Laichzeit, wo sie mit dieser Signalfarbe Roger zum Laichtanz baten. Das in der Regel 14 Tage andauernde verteidigen der Nester erlebt jetzt einen harten Einschnitt. Die Larven werden wohl nun deutlich länger brauchen um zu schlüpfen.

Im Nordosten des Landes und in den höheren Lagen der Talsperren hat der Zander noch nicht gelaicht. Bei 10 Grad Wassertemperatur, wie derzeit von offiziellen Messstellen an Elbe und Oder gemeldet, rührt sich noch nichts. Sie stehen aber bereit.

Für uns Angler heißt das, dass er der Saisonstart für viele Spinnfischer am 1. Mai dieses Jahr voll und ganz in die sensible Brutzeit der Zander fällt und bis Mitte Mai anhalten wird. Ich und meine Kollegen meiden daher Gewässer, mit relevanten Zanderbestand und fischen weiterhin auf Hecht, Barsch und Forelle. Wenn nur der Aal endlich mal richtig laufen würde. Die Schlängler haben sich wohl wieder verkrochen.

Die Natur hat ihre eigenen Regeln und ist komplexer als man denkt. Sie richtet sich nicht nach dem Kalender und fällt auch je nach den Gegebenheiten der jeweiligen Örtlichkeit anders aus.

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns.

Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentare (1)

  1. Hallo Sebastian!

    Da habt ihr aber tolle Fische gefangen!

    LG,

    Peter

    Antworten

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