Aus dunkler Tiefe

Talsperren, sie gehören zweifelsfrei zu den Gewässern die das größte Potenzial für den Fang von vielen und vor allem dicken Barschen bieten. Die Bestände entwickeln sich in den großen und oft sehr tiefen, künstlich geschaffenen, Gewässertypen in der Regel sehr gut. Doch genau die Größe und oft enorme Tiefe dieser Reviere sind es, die uns Angler vor eine schwierige Aufgabe stellen – das finden und lokalisieren der Fische!

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Denn jede noch so perfekt ausgeklügelte Angeltechnik ist zwecklos, wenn sie nicht am richten Platz zu Anwendung kommt. Um diesen ausfindig zu machen, muss man verstehen wie unser Zielfisch, also große Barsche, ticken und wie sich ihre Standplätze in Talsperren im Jahresverlauf immer wieder verändern.
In den warmen Monaten des Frühjahrs und Sommers sind sie nämlich wahre Nomaden, die weitläufige Gebiete des Freiwassers durchkämmen – dementsprechend bekommt man sie auch schlecht zu fassen und so schnell man den Schwarm gefunden hat, so schnell ist er auch wieder weg und die Suche beginnt von neuem. Deshalb bevorzuge ich zum gezielten Großbarschangeln in diesen schwer überschaubaren Gewässern die kalte Jahreshälfte, wenn die Barsche tiefe Stellen am Grund aufsuchen um sie dann effektiver befischen zu können.

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Grüppchenbildung am Grund

Denn wenn sich ab Mitte Oktober die Wassertemperaturen deutlich abkühlen schieben auch unsere Zielfische eine ruhigere Kugel und stehen dicht am Gewässergrund in größeren Grüppchen zusammen, die oft unterhalb der zehn Meter Marke liegen.
Und das ist der entscheidende Punkt den viele Kollegen nicht beherzigen wenn sie sich den Talsperren stellen – die Tiefe.
Ab dem Herbst, wenn sich der Stoffwechsel der Fische verlangsamt muss man in tiefen klaren Stauseen die Fische auf größeren Tiefen aufsuchen, um erfolgreich zu sein. Nicht selten sammeln sich große Barschtruppen zu dieser Zeit auf dem gleichen Tiefeniveau ein, welches nach meinen Beobachten im Oktober zwischen 8 und 10 Metern liegt, sich im November auf 12 bis 14 Metern verlagert und mit dem Wintereinbruch sogar noch weit aus tiefer liegt. So haben wir schon Barsche vom Grund gepflückt als das Echolot satte 22 Meter anzeigte.

Sanft verführt

Obwohl Barsche generell als sehr temperamentvoll gelten und gern zackig geführte Kunstköder attackieren, so ist zur kalten Jahreszeit weniger auf jeden Fall mehr.
Und da sich unsere Stachelritter dann dicht am Grund aufhalten und eher passiv sind habe ich mit der Technik des Vertikalangelns die besten Erfahrungen gemacht – besonders wenn kapitale Großbarsche im Kescher landen sollen.
Dabei genügt es oftmals das Boot in Zeitlupe mit dem Heck gegen den Wind über die Oberfläche zu schieben und dabei schlanke Gummiköder an Bleiköpfen zwischen 18 und 25 Gramm durch sachtes Anheben und wieder aufsetzen am Grund zu versetzen. Somit bleibt unser Verführer nicht nur die ganze Angelzeit über im Gesichtsfeld unserer Zielfische, sondern stellt durch seine langsame Präsentation eine besonders leicht zuschlagende Beute dar, die vor allem Kapitale Großbarsche aus der Fassung bringt.

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Durch die enorme Effizienz dieser Technik am sorgfältig ausgewählten Angelplatz kommt es nicht selten vor, dass man an einem Angeltag gleich mehrere Großbarsche überlistet weil man die Einstände so regelrecht auskratzt. Und in Talsperren gibt es jede Menge davon – Einstände und große Barsche.

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH und CEO von Zanderkant.de. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen, einem gratis E-Mail-Videokurs und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

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