Vor der Kälte

Vor zwei Wochen habe ich beim Zanderspinnangeln eine gute Phase erleben dürfen, in der die Fische die angebotenen Gummiköder schier besinnungslos nahmen. Mehrere Exemplare konnte ich so innerhalb von zwei Stunden angeln dingfest machen.

_DSC1117

Was ich zu der Zeit noch nicht ahnte: Wenige Tage später bekamen wir den ersten Frost des Jahres und die Bisse blieben aus. Was logisch ist, denn wenn die Wassertemperatur binnen eines Tages mehr als 3 Grad sinkt, ist es mit der Aktivität der wechselwarmen Fische schlagartig vorbei.

Besonders Zander scheinen auf diesen Sturz ihres Umgebungsklimas besonders empfindlich zu reagieren und ihr Fressverhalten einzustellen.

Das musste ich bereits an anderen Revieren leider leidvoll feststellen. Im März 2010 ging es mit Kollege Phillip Feist zu Andys Wallercamp ins Po-Delta, der in den letzten Jahren ebenfalls in der Angelhalle der Jagd & Hund vertreten war. Der Po ist bekannt für seine sensationellen Welsfänge. Doch sein Potenzial an Zandern ist ebenfalls gigantisch, was viele deutsche Angler zu der Zeit noch nicht wussten.

Voller Vorfreude ging es also auf nach Italien. Die Tage zuvor hatten sich die Zander bei einer milden Wassertemperatur bester Beißfreude gezeigt. Bei knapp 10 Grad Wassertemperatur, die dank des mediterranen Klimas schon Ende März dort herrschen. Als wir ankamen änderte sich die Großwetterlage auf Nord und es geschah etwas, was selbst der Campbetreiber Andy Gutscher erst einmal in 13 Jahren sah. Schnee ende März!Über Nacht waren die Boote verschneit und man musste aufpassen nicht vom glatten Steg zu rutschen.

Andys Wallercamp

Als wir die ersten Zanderplätze ansteuerten und zu fischen begannen, erhielten wir keinen Biss. Der Blick aufs Echolot, in dessen Geber ein Thermometer eingebaut ist, offenbarte warum. Die Temperatur der Wassers sackte von 9,3 am Vortag auf 5,2 ab. Finito!

Nur mit Mühe und viel Einsatz war es uns möglich einen der begehrten Glassaugen zu fangen. Stationär mit den Köderfisch, wo sich der Zander zum Attackieren nicht bewegen muss. Denn auch noch so langsam präsentierte Kunstköder blieben unangetastet. Auch Vertikal geführte Köderfische brachten keinen Biss.

Aber warum beißen die Räuber vor einem Kälteeinbruch so wahnsinnig gut? Sie scheinen zu spüren das es bald mit der Temperatur und damit auch der Körperwärme bergab geht. Und schlagen deswegen vorher noch eimal richtig zu. Deswegen sind für mich besonders gute Beißphasen immer ein Indiz dafür, dass sich das Wetter bald stark verändern wird.

Aktuell sind die Fänge bescheiden. Die Bisse kommen nicht direkt und hart, sondern eher defensiv und argwöhnisch. Viele Anfasser und neugierige Überschieber-Bisse zeigen das sich Fische erst wieder an das kältere Wasser gewöhnen müssen. Die erste Kältewelle hat eine anständige Abkühlung gebracht und den Puls der Unterwasserwelt verlangsamt. In dieser Übergangsphase ist das beschriebene Beißverhalten daher nicht ungewöhnlich. Besonders Zander und Barsche sind dann, wenn überhaupt, nur knapp gehakt.

knapp gehakter Barsch

Ich gehe davon aus, dass es wieder krachen wird, sobald sich die Fische an das neue Temperaturniveau angepasst haben. Und wer weiß. Wenn sie wieder so richtig beißen, heißt es, dass es bald richtig kalt wird und der Winter komplett Einzug hält. Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Erfolg am Wasser und ein dickes Petri Heil.

_DSC0957

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentar hinterlassen

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*