Tief verführt!

Jetzt kam er doch noch, der Winter. Aber nur weil die südwestlichen Luftströme, die uns in den letzten Wochen mit milden Temperaturen schier verwöhnten, seit vorgestern abrissen und nun eine fies kalte Ostströmung zu uns herein drückt.

Mit dem Wechsel auf Kontinentalklima ist es nun vorbei mit dem milden Witz-Winter. Wer jetzt noch sein Glück auf Zander und Barsche versuchen will, ist an tiefen Talsperren noch gut beraten. Kurz vor dem Kälteeinbruch konnten Kollegen und ich auf den künstlich angestauten Gewässern der Mittelgebirge noch eine gute Angelei auf die Stachelritter erleben.

IMGP7498

Finden ist alles:

Zur kalten Jahreshälfte finden wir die Glassaugen tagsüber auf tieferen Stellen dicht am Grund. Zwischen 12 und 14 Metern tief standen sie in den letzen Wochen. Bei trübem Wetter um die 12, bei Sonnenschein auf 14 bis 16 Meter.  Das alles bei einer Wassertemperatur von um die 4,5 bis 5 grad. Wer die Fangtiefe zur aktuellen Phase einmal eingekreist hat, der kann kaum am Zielfisch vorbei angeln. Denn Zander haben die Eigenart, sich in ihrer passiven Tagphase, auf einer ganz bestimmten Tiefe einzufinden.

Diese wandert mit dem Fallen der Wassertemperatur mehr und mehr nach unten. Und der Angler muss dem Zander buchstäblich hinterher angeln.

_DSC0078

PS: Das Zurücksetzen solch tief gefangener Fische ist sinnlos und nicht Waidgerecht. Deshalb fischen wir zu dieser Zeit ausschließlich für die Küche. Und verlassen das Gewässer wenn das vorgeschriebene Fanglimit erreicht ist.

Wir fischen bevorzugt mit schlanken Gummiködern, wie dem original „Zanderkant Kauli“, der durch sein kleines Schwanzschäufelchen einen passiven Lauf besitzt und durch seine Weichheit leicht durch Einsaugen zu schlagen ist.

Extra Tipp: Auf dem dunklen Talsperrenuntergrund haben dunkle Dekore wie rauch- und gold-glitter die meisten Bisse provoziert.

 

IMGP7892

_DSC0107

 

Bietet man diesen zudem noch mit einer defensiven Führungstechnik wie dem „Faulenzen“ oder dem Vertikalangeln, dicht am Grund an, hat man die besten Chancen auf Bisse. Vertikalangeln ist aber von den lokalen Bestimmungen abhängig! An der Bleilochtalsperre z.B. hindert uns eine umstrittene Ankerpflicht von der Anwendung dieser hoch effizienten Methode. Ein Trauerspiel wenn man das Potenzial eines Traumreviers nicht nutzen kann, weil altmodische, verknöcherte Bestimmungen einen fesseln. Ärgerlich, aber eben ein typisch deutsches, durch föderalen Unsinn, leider hausgemachtes Problem.

Phasen nutzen:

Im kalten Wasser haben die Fische einen geringen Stoffwechsel. Benötigen dadurch weniger Energie und fressen daher nur in kurzen Phasen. Auf unseren letzen Ausflügen konnten wir eine intensive Beißphase von ca. 11 bis 13 Ihr verzeichnen. Dieses Phänomen haben wir über viele Jahre beobachten können und scheint besonders in tiefen Stauseen zur Winterhälfte zuzutreffen. Wer jetzt noch mal raus will, sollte sich sputen. Wer weiß wie lange es vor der Schonzeit noch Eisfrei ist. Möge das konzentrierte Angeln in der Kälte mit einem tollen Zander belohnt werden!

_DSC0100

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentar hinterlassen

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*