kalt trifft heiß

Winter. Die Blätter der starken Eichen die das gegenüberliegende Ufer säumen sind gefallen und hinterlassen karges, bizarres Geäst. Zusammen mit den verblassten Gräßern, die sonst üppig wuchernd ins Wasser hängen, wirkt die Szenerie insgesamt trist und grau.

Auch der See, an dem wir uns zum Angeln getroffen haben, liegt ruhig und wie erstarrt vor uns. Die Kleinfische ziehen schon lange keine Kreise mehr an der Oberfläche. Einzig die Wasservögel mischen ein wenig Leben in die dominierende Tristesse.

Seit Tagen gab es leichten Nachtfrost und wir haben an jenem grauen und windstillen Dezembertag das Glück das sich kein Eis gebildet hat, welches uns das Angeln vermiest.

So gleitet das Boot am Ufer einer Talsperre vom Trailer und patscht seit langem wieder ins Wasser. Denn die windigen Tage zuvor haben das angeln mit Boot schier unmöglich gemacht.

Das Echolot zeigt eine Wassertemperatur von knapp 4 grad an. Da wir es auf Zander abgesehen haben war uns schon vorher klar, dass wir eine besonders langsame Methode wählen müssen, um dabei Erfolgreich zu sein. Vertikal wollen wir unsere Köder anbieten. Deshalb auch das Boot, mit E-Motor und Echolot, ohne das diese Technik gar nicht praktizierbar wäre.

_DSC0761

Denn die gestreiften sind bei solch garstigen Verhältnissen Physisch gar nicht dazu in der Lage schnell geführte Kunstköder zu verfolgen, da ihre Körpertemperatur ja der des Wassers entspricht. Selbst mit der langsamen, geworfenen Faulenzertechnik fischt man in dieser Situation oftmals einen Tick zu flott und geht mit unter als Schneider vom Platz. Nur Beute, die sich aus der Sicht des Zanders sicher schlagen lässt wird nun auch attackiert. Daher eignet sich die Methode des Vertikalangelns, wo man den Köder langsam vor den Mäulern der Räuber auspendeln lassen kann, am besten. An diesem Dezembertag haben wir aber die sonst so fängigen Verführer aus Gummi daheim gelassen und uns Köderfische besorgt. Diese haben den entscheidenden Vorteil auch ohne lebhafte Präsentation Bisse zu provozieren.

Kurz gesagt fangen sie selbst durch ihre bloße Präsenz. Und die aus Holland stammende Kombination von langsamer Vertikaltechnik und dem Köderfisch machen sich auch die Zanderjäger in Deutschland vielerorts zu Nutze und setzen sie besonders im Winterhalbjahr eindruckvoll in die Praxis um.

_DSC0576

Die eigens dafür entwickelten Firebals, die es im Fachhandel gibt, sorgen dafür, dass der Köderfisch immer im 90 grad Winkel überm Grund steht.

IMGP5771

Gewichte von 18 bis 25 gram sind ideal. Nun gilt es bei der Präsentation genau darauf zu achten das man ja nicht zu viel mit der Rute arbeitet und damit das Fischchen zu hastig auf und ab bewegt. Denn das mögen träge Winterzander ganz und gar nicht. Sie reagieren darauf eher mit Scheu anstatt mit Interesse. Um einen Biss zu provozieren hat sich folgende Führungstechnik bewährt:

Firebal am Grund ablegen. Ca. 10 cm vom Grund heben und dann 5 bis 6 Sekunden halten. Dabei das Boot in Zeitlupe übers Wasser schieben und langsam den Grund erneut ertasten. Die Bisse kommen immer in der langen Haltephase, wobei der Firebal dicht über dem Gewässerboden auspendelt. Aber nur wenn das Boot langsam genug ist!

Keines Falls darf zu schnell gefahren oder der Köder zu hastig und vor allem zu hoch gestartet werden. Denn dabei gerät er aus dem Gesichtsfeld der Zielfische und wird nicht verfolgt, da er zu agil und unsicher zu treffen ist. Außerdem verliert sich bei zu agiler Führung die verlockende Duftspur, die vom natürlichen Köder erzeugt wird.

 

Aber auch die Technik mit dem heißen Ball hat ihre Tücken, da der Aktionsradius stark eingeschränkt ist. Denn nur wenn man seinen Köderfisch im kalten Wasser langsam und behutsam präsentiert hat man auch Erfolg damit. Konkret heißt das, dass ich nur einen kleinen Beriech effektiv damit abfischen kann und somit im Voraus schon geeignete Plätze auf der Gewässerkarte raussuchen muss, wo sich die Winterzander aufhalten könnten. In Talsperren sind das meist die tiefen Bereiche unterhalb der 10 Meter Marke nahe der Staumauer. Auch alte Bachbetten die unterhalb dieser Tiefenlinie liegen können ganze Ansammlungen von Zandern beherbergen. Die Kunst beim Winterangeln ist es nun die richtige Tiefenlinie zu finden und dann auf dieser einen Trupp Glassaugen zu stellen. Gegen morgen kann diese auf 11 und Mittag auf 15 Metern liegen. Je nach Lichtintensität, Klarheit und Kälte des Wassers.

Hat man einen Biss, oder gar den ersten Zielfisch behutsam in die Keschermaschen geführt empfiehlt es sich eine Markerboje über Board zu werden, um dem entdeckten potenziellen Standplatz genau festzuhalten.

Marker setzen

Dieser sollte nun sehr gründlich und unter vollster Konzentration auf die Präsentation ausgekratzt werden. Meist stehen hier mehre Fische beisammen die sich kaum bewegen und von daher nicht weit sein können. Ich nehme mehrere Bojen mit, um früh entdeckte Plätze zu späterer Zeit nochmals anzufahren. Denn wenn sich der Staub gelegt hat, kommen nicht selten wieder neue Bisse. Massenfänge sind allerdings im Winter eher nicht zu erwarten, da die Fische aufgrund ihres fast zum erliegen gekommenen Stoffwechsels auch dementsprechend weniger Nahrung benötigen. Aber für den ersehnten Küchenfisch reicht es allemal.

Vorzeiger aus Film

Ich hoffe genügend Anregung vermittelt zu haben es selbst zu probieren und das heimische Sofa, sei es im Winter noch so gemütlich, ab und an mal gegen den kalten Sitz eines Bootes zu tauschen. Sie werden überrascht sein was im Winter so geht. Manchmal sogar ein Traumfisch, wie dieser 94er aus einer Talsperre, der dem Köderfisch am heißen Ball nicht widerstehen konnte. Dickes Petri und maximale Erfolge. Sebastian Hänel

94er auf Firebal

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentar hinterlassen

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*