Hohe Kunst

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Vielleicht steht sie uns im März wieder bevor, die Zeit der Frühjahrshochwasser an den großen Strömen. Braun eingetrübt schiebt sich der sonst so idyllisch in die Feldflur der Gegend eingebettete Fluss hastig seiner Mündung entgegen. Mit ihm alles was sich an alter Vegetation nicht an den Ufern halten konnte. Heubüschel, Baumstämme, ja ganze Bieberburgen zerrt er mit hinab. Drückt sich bedrohlich aufschäumend gegen Brückenpfeiler, die sich ihm in den Weg stellen. Der Strom den man von so manch vergangenem Angeltag noch ganz anders in Erinnerung hat. Erinnerungen an friedlich kreisende Kehrströmungen in zahlreichen Buhnenfeldern. Mit der Spinnrute bewaffnet von Buhne zu Buhne, seinem Zielfisch, dem Zander hinterher. Doch von den einstigen Buhnen keine Spur. Sie sind vom durch Schmelzwasser der Gebirge angeschwollenen Strom verschluckt. Nur die Begrenzungszeichen für die Schifffahrt ragen weit draußen aus der sich wälzenden braunen Brühe hervor und deuten den Verbleib der Buhnen an. Und genau in diesem alles andere als einladend wirkendem Szenario lässt sich hervorragend auf Zander angeln. Ja sogar wahre Sternstunden erleben. Am Niederrhein und dem Brandenburgischen Ufern der Elbe ist der stachelige Zielfisch bis 31.3. beangelbar. (Also Schonzeiten beachten und wenn nötig mal eine längere Anfahrt in Kauf nehmen)

 

Ausgewichen

 

Wie wir Angler auch weichen die Fische in einer solchen lebensfeindlich anmutenden Situation in Bereiche aus in denen es weitaus entspannter zugeht als im tosenden Fluss.

Das sind in der Regel alle Einmündungsbereiche zu Seitengewässern wie Baggerseen, Altarmen, Zuflüssen und Häfen.

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Genau dort wo der tobende Hauptstrom seinen starken Einfluss verliert und das Wasser in Kehrströmungen zur Ruhe kommt. Da sammelt sich nun alles was Flossen hat und mittendrin unser Zielfisch. Der Zander. Dieser ist nicht unbedingt wegen dem guten Futterangebot am Platz, sondern aus dem gleichen Grund wie alle anderen Fische auch. Dem ausweichen aus der nun zur hart gewordenen Strömung. Wenn man einen solchen Spot gefunden hat ist man vom Fangerfolg nicht mehr weit entfernt. Sicherlich sammeln sich bei Hochwasser die Stachelträger auch an schwächer strömenden Innenkurven und hinter Strombrechenden überfluteten Buhnenfeldern. Doch diese Bereiche sind bei zu viel Druck eben unbefischbar. Kein Köder könnte dort punktgenau und attraktiv genug präsentiert werden. Also bleibt uns nichts anderes übrig als die wenigen Plätze aufzusuchen an denen es uns gelingt überhaupt an den Zander heranzukommen. Und das sind eben nur noch die Kehrströmungserschaffenden Einmündungsbereiche der Seitengewässer.

 

Ausdauer zeigen

 

Hochwasser bringen immer Bewegung in den Fisch und sorgen für reichlich Fischaustausch am gut auserwählten Angelplatz. Besonders im zeitigen Frühjahr kann es wie ein wachrüttelnder Weckruf sein. Viele Fische verlassen durch den zu starken Strömungsdruck ihre oft weit verteilten Einstände in Fahrrinne und Steinböschung, um sich in ruhigeren Ecken wie unserer Hafeneinfahrt zu sammeln. Einmal einen solchen Platz gefunden sollte dieser unbedingt einen ganzen Tag lang unter entsprechender Ausdauer konzentriert ausgeangelt werden.

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Eine andere Möglichkeit bietet sich bei Hochwasser ja ohnehin nicht an. Die Mentale Frage spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Nur wer motiviert ist und an den ausgewählten Platz sowie dem präsentierten Köder glaubt, wird es durchhalten mehrere Stunden die gleiche Bahn abzuwerfen. Denn im Laufe des Tages werden sich unter Garantie mehrere gute Fische vor unseren Füßen vorbeidrücken. Man darf nur nicht locker lassen. Und ohne Fleiß gibt es selbst an einem solchen Top-Spot keinen Preis. Apropos Top-Spot. Bei einem Hochwasser sind meist die Stellen die besten, die bei Normalpegel oder Niedrigwasser eher unscheinbar wirken, da sie zu flach oder zu wenig Rückströmung aufweisen. Besonders das Abfischen der sonst flachen hinteren Bereiche von Altarmmündungen kann nun unter den neuen Gegebenheiten eine wahre Zandersternstunde bringen. Ein Fluss ändert nun mal sein Gesicht bei verändertem Pegel. Deswegen ist es besonders wichtig flexibel mit der Platzwahl zu sein und immer ein offnes Auge für interessante Strömungsverhältnisse zu haben.

 

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Regeln zum Erfolg im Hochwasserfluss:

 

–         Mündungsbereiche zu Seitengewässern suchen. Nur diese sind jetzt überhaupt noch beangelbar.

–         Ausdauer zeigen! Aufgrund des Strömungsdrucks weichen die Fische in diese ruhigen Bereiche aus und laufen uns früher oder später garantiert vor die Flinte.

–         Konstanter Pegel und trübes Wetter sowie gleich bleibender Luftdruck sind perfekte Bedingungen für einen erfolgreichen Angeltag auf Flusszander.

–         Helle Köderfarben sorgen im angetrübten Wasser für mehr Fischkontakte. Besonders bei trübem Himmel

–         Nicht zu schwer fischen! Zu schwere Bleiköpfe erfordern eine schnellere Führung. Im kalten Wasser und besonders am Tage attackieren die Zander aber oft nur langsam präsentierte Gummis. Wenn es die Strömung zulässt sind 10 bis 15 gr. ideal. Diese erfordern aber mehr Konzentration im Gefühl für den Grundkontakt.

–         Schlanke Köderformen mit kleinem Schaufelschwanz lassen sich weiter werfen, leichter fischen und verdriften aufgrund des geringeren Stromwiderstandes kaum.

–         Nur bei guter Stellenkenntnis empfiehlt es sich mit der Wathose ein Stück entgegen zu gehen, um unnötige Unfälle zu vermeiden.

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

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