Fischt blank!

Ok, ich geb´s zu. Vor nicht einmal all zu vielen Jahren war ich auch einer von Denen.

Den Angsthasen, die ohne die Bestückung ihrer Gummiköder mit zusätzlichen Haken nicht einmal ans Auswerfen dachten. Es könnte ja einen Fehlbiss geben, durch den man auch nur einen Zander weniger fangen könnte. Alles was den Köder auch nur anhaucht, muss kleben bleiben!

Keine Angst, ich rufe jetzt nicht zur einer Revolution gegen Zusatzdrillinge auf und fordere die heimliche Verbrennung dieser auf den Hinterhöfen der Angelgerätehändler.

Dennoch habe ich meine Meinung zu diesem, nicht ganz unstrittigen Thema, in den letzten Jahren stark verändert. Das Umdenken kam wie vieles im Leben nicht über Nacht. Es begann als ich beim Abhaken gefangener Zander immer häufiger feststellte, dass der zusätzliche Greifer, obwohl montiert, gar nicht nötig war.

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Und das selbst bei kleinen Exemplaren!

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Das machte mich stutzig und ließ mich, besonders im Jahr 2007 viel mit der Hakungseffizienz experimentieren. Selbst bei einem, zu Forschungszwecken komplett vernagelten Köder, wurde der Verführer so attackiert, das nur der im vorderen Drittel sitzende Haupthaken, selbst bei kleinen Zandern sicher saß!

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(Bitte nicht nachmachen!)

Beim normalen Angeln, stellte ich fest,  das der Drilling oft sehr weit hinten im Maul saß. So weit, dass auch der Haupthaken hätte greifen müssen. Wenn, ja wenn der Angsthaken dies durch sein verfrühtes fassen nicht verhindert hätte.

Im Fluss viel die Erkenntnis schon schmerzhafter für mich aus. Denn so manch hart erarbeiteter Kapitale stieg im Druck des Stroms einfach aus. Der aufgebogene Drilling zeigte warum.

Zander und Barsche attackieren den Köder bekannter Weise ja beim Absinken an gespannter Leine durch Einsaugen. Mit den Kiemen wird dabei aus dem Stand heraus ein solch starker Unterdruck erzeugt, dass die Attrappe komplett weggesogen wird. Solang sie weich und schlank sind, sowie mit einer defensiven Technik angeboten werden.

Beim Anhieb bleibt der einzig harte Widerstand der Haupthaken, der den Angreifer dann sicher zu fassen bekommt. Ein Drilling stört diesen Vorgang, da er oft schon im Rachen greift bevor man den Haupthaken überhaupt solide setzen kann. Fatal, wenn dann ein wütend stampfender 16 Pfünder am Fuße einer Steinschüttung in die Rute drückt und all sein Gewicht auf einer Flunke des Zusatzdrillings lastet! Um dem Frust verlorener Großzander zukünftig zu entgehen ließ ich das überflüssige Gerödel einfach weg und fischte  blank. Und fing dabei, selbst im Stillwasser, nicht schlechter.

Auch Zander im Küchenmaß saugten den weichen, schlanken Gummi komplett weg und hingen sicher am Jighaken. Besonders wenn dieser kurz gehalten im vorderem Drittel des Shads saß. Gerade das erleichtert das wegschlürfen noch mehr. Weil hier der kurze Greifer den Gummiköder flexibel hält und so den Mechanismus begünstigt.

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Untermaßige Exemplare waren besser zu lösen und konnten dadurch unbeschadet zurückgesetzt werden. Blutige Kiemen durch einen darin verhedderten Drilling gehörten ebenfalls der Vergangenheit an.

Angesichts dieser Erkenntnisse frage ich mich heute für was ein Angstdrilling, beim Faulenzen, Vertikalen oder langsamen Jiggen auf Zander überhaupt noch gut sein soll. Selbst meine neueren Experimente mit größeren Ködern zeigten verblüffendes.

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Ich bin zur Erkenntnis gekommen das der Zander den Gummi sicher erwischt, wenn man so fischt, dass er ihn auch treffsicher schlagen kann. In einer der kommenden Ausgaben von FISCH & FANG habe ich mich dem Thema, auch filmerisch, sehr ausgiebig gewidmet. Petri Heil und Angstfreies Angeln – Ihr Sebastian Hänel

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Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentare (3)

  1. Dirk Marschall 21. Februar 2014 @ 20:06

    Hallo Sebastian !!
    Ich habe zwar noch nicht sooo viele Zanderlein gefangen… aber deinen Beitrag kann ich voll bestätigen !! Von meinen 12 maßigen Zandern hatten ALLE nur den Jighaken im Maul (mit Stinger gar keinen Biss) Nur EIN großer Zander im Dezember an der Elbe ist mir leider (ohne Stinger) ausgeschlitzt !!
    Petri

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  2. Moin moin,

    beziehst Du das auf die komplette Jahreszeit?
    Also von Sommer bis In den Herbst hinein kann ich das absolut bestätigen und es deckt sich mit meinen Erfahrungen.
    Aber gerade jetzt im Winter habe ich mit nem einzelnen Jig eine ganz schlechte Trefferausbeute. Anfang der Woche habe ich 7 Fische innerhalb von zwei Stunden verloren weil ich den Anhieb einfach nicht durchbekommen habe. Ich hatte das Gefühl das der Köder nicht eingesaugt wurde, sondern das die Zander den Schwanz zu packen hatten und dort für 3-4 Meter „hängengeblieben“ sind. Das war zum Wahnsinnigwerden ;)
    Was hast Du dort für Erfahrungen?
    Im Nordostseekanal ist erst ab 1.3. Schonzeit, von daher kann man dort noch los.
    Beste Grüsse aus Husum

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  3. @ Dirk
    Gute Trefferquote! Aussteiger kommen immer mal wieder vor. Ob mit oder ohne den Drilling.

    @ Ingo
    Ich kann aus der Ferne natürlich nicht sagen wie du angelst und welche Köder du verwendest. Denn der Hakqoute hängt westentlich vom verwendetem Ködermodell und ganz besonders von der Art der Präsentation ab. Im warmen Wasser mag auch ein etwas rascher, aggressiver geführter Gummi treffsicher geschlagen werden. Im kalten Wasser, wenn die Zander langsamer sind, kann das mitunter schon dazu führen, dass sie den Köder nicht richtig erwischen.

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