Farbenkult?!

Jeder Angler, der sich mit dem Gummifischangeln auf Raubfische beschäftigt, steht an seinem jeweiligen Gewässer früher oder später vor der Frage, welche Farbe denn hier nun für seinen Zielfisch die beste wäre, wenn der Erfolg für gewisse Zeit ausbleibt.

Denn die Auswahl ist gigantisch!

Welcher bringts?

Oder man beginnt schnell am Dekor zu zweifeln, fischt man eine gewisse Zeit ohne Biss. Glauben Sie mir, auch ich erwische mich immer wieder dabei in einen gewissen Farbenkult zu verfallen, wenn ich an neuen Gewässern angle, oder sich mir bereits erschlossene Reviere durch äußere Umwelteinflüsse im Charakter verändert haben. Z.B durch höhere Trübung nach heftigen Niederschlägen. Oder das Wetter ist extrem hell oder dunkel und hat damit einen Einfluss auf die Lichtintensität, die am Grund des Gewässers herrscht.

Farbenkult gab es schon immer und wird es auch immer geben! Nur, wo kommt er her?

Ich beobachtete meine Guidingkunden bei den Zandertouren, die ja vorher meist völlig unbefangen waren, meine Angelkollegen, mit denen ich privat beim Angeln bin und natürlich mich selbst. Dabei kam ich zu einem Ergebnis, in welchem sich sicherlich der eine oder andere Leser dieses Artikels wieder erkennen wird und schmunzeln muss.

„Die eine Farbe bringt´s! Ich habe mit dem weißen Köder hier einen schönen Zander gefangen und sage euch – fischt mit weiß, dann fangt ihr! Ich angle nur noch damit und fange meine Fische in diesem Gewässer“

Oder man hat die Situation, dass man zu viert an einem neuen Fischwasser steht und der erste Kollege fängt mit einem grünen Köder einen strammen Zander. Zuerst werden alle mit ihren Ködern in die Richtung werfen, wo der Fang des Kollegen zugelangt hat – bringt das nichts, so kann man in den meisten Fällen dasselbe Phänomen beobachten: Es wird in den Köderboxen nach grünen Ködern gewühlt! Ab da fischen alle mit dieser Farbe weiter und unweigerlich gehen an einem Angeltag wie diesem noch weitere Fänge auf das Konto der Farbe grün.

Für alle Beteiligten steht dann schnell fest: „Hier muss man mit grün fischen, wenn man richtig Erfolg haben will“ Auch im Austausch mit anderen Kollegen wird dieser Satz dann schnell propagiert und umso mehr mit dieser Farbe gefischt wird, desto mehr Fische werden unweigerlich damit gefangen und der Irrglaube beginnt zu rotieren! Doch haben diese Aussagen Bestand? Ich sage nein! Oder lassen Sie es mich anders formulieren – klar fängt man mit grün an Gewässer x schöne Zander, doch mit anderen Farben mindestens genauso viel, oder besser, wenn man diese mit gleicher Beharrlichkeit und Vertrauen einsetzt!

Vertrauen in das was man tut!

Es entsteht alles im Kopf des Anglers selbst. Macht ein Angler seinen Erfolg an etwas nebensächlichem, wie einer bestimmten Köderfarbe fest, so ist er noch weit davon entfernt, ein wirklich herausragender Angler zu sein und hat bestimmte grundlegende Dinge noch nicht verinnerlicht. Was möchte ich meinem Zielfisch vorgaukeln? Was spricht ihn an? Worauf ist er beim Beutemachen aus? Und ganz wichtig – Auf welches Beuteschema hat er sich in seinem Lebensraum spezialisiert?

Ausgewürgter Kaulbarsch

Wenn man sich diese Dinge durch den Kopf gehen lässt und genauer analysiert, so kommt man zu dem Ergebnis, dass Form, Größe, Bewegung und die Präsentation am richtigen Platz die wichtigsten Indikatoren für den Fangerfolg sind. Die Farbe spielt da zwar eine untergeordnete Rolle, ist aber in gewissen Situationen schon von gewisser Bedeutung.

Wir betreiben keinen Farbenkult und halten unser Gummiködersortiment an Zanderkant Kaulis mit 10 Dekoren zum Spinnfischen sehr übersichtlich.

Denn Eines haben wir festgestellt:

Je trüber das Wasser, desto unbedeutender ist die Köderfarbe! In der trüben Elbe zum Beispiel haben wir bereits bei trübem Wetter und Wasser mit dunklen oder mit fast durchsichtigen, scheinbar unauffälligen Farbkombinationen sehr gute Erfolge beim Zanderspinnfischen erzielt, genauso wie mit hellen und sehr auffällig wirkenden Mustern.

Doch je sichtiger das Wasser, desto wichtiger wird der Faktor Köderfarbe, denn dann wird man mit zu hellen Modellen wohl schlechte Karten auf Dauererfolg haben. Zumindest wenn es um sensible und misstrauische Zander geht. Die Anpassung des gesamten Erscheinungsbildes des verwendeten Köders ist dann das wichtigste überhaupt. Denn bei einer perfekten Imitation des Beuteschemas, passend zur Umgebung (also hell oder dunkel) müssten Zander das Jagen auf Kleinfische schon komplett einstellen, um nicht mehr auf diese Imitationen hereinzufallen!

Wenn es gut beißt wechsle ich immer die Farbe, um zu sehen ob es wirklich am Dekor liegt. Meist kommen dann weiterhin Bisse. Verrückt oder?

Sebastian Hänel mit Zander

So verrückt ist das gar nicht. Konzentration und Ausdauer mit der passenden Technik, am richtigen Platz zu einer Beißphase. So werden Fische gefangen. Ein am Optimum der Situation liegender Köder verbessert dann nur die Bissfrequenz. Weshalb ich auch nur wenige Modelle fische.

Also lassen Sie sich nicht von Aussagen anderer in die Irre führen. Achten Sie auf die wesentlich wichtigen Dinge und machen Sie sich bitte keine Gedanken, um die Köderfarbe, wenn sie in trüben Gewässern der Zanderfischerei frönen. Gerade Zander nehmen ihre Umwelt und damit natürlich auch unsere Köder anders war, als wir es mit unseren Augen je vermögen. Was für uns beispielsweise im trüben Wasser unscheinbar erscheint, kann den Geschmack der Räuber, besonders den des wählerischen Zanders,  perfekt treffen und somit für mächtig Einträge im Fangbuch sorgen. Was sind Ihre Erfahrungen? Auf der FISCH & ANGEL können Sie gern in Halle 2N am Stand A20 (Der Stand von FISCH & FANG und DER RAUBFISCH) mit mir darüber Philosophieren. Ich freue mich auf Sie.

Sebastian Hänel

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

Kommentare (6)

  1. Hallo Sebastian,
    hier möchte ich ein ganz klares Veto einlegen und stark widersprechen. Lies mal hier: http://www.uli-beyer.com/de/monstertechnik/koeder/102-farben-unter-wasser
    Ihr habt einfach zu viele Zander in der Elbe! :)

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  2. Ich stehe gleich nebenan auf dem Stand und kann Dir gern ausführlich erklären, warum Deine Überzeugung nicht richtig ist.

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  3. Sebastian Hänel 2. Februar 2014 @ 18:58

    Lieber Uli, sehr gerne. Wir haben auf der FISCH & ANGEL ja eine knappe Woche Zeit einen Plausch darüber abzuhalten. Freu mich und finde andere Sichtweisen und neue Ansätze immer spannend. Das ist ja genau das, was unser schönes Hobby so vielseitig und interessant macht.

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  4. Sebastian Hänel 2. Februar 2014 @ 19:19

    PS: Interessanter Link Uli. Der letzte Punkt ist spannend. Denn ich habe auch festgestellt das im dunklen Wasser von klaren Talsperren dunkle Modelle besonders gut fangen. Im milchig trübem (wie aktiven Kieswerken) helle und in klaren Smaragdgrünen Tagebauseen grünliche. Also kurz gesagt, wenn ich den Köder der Umgebung oder dem Untergrund anpasse, habe ich immer das Optimum an Bissfrequenz. Deswegen sind für mich auch eher hell oder dunkel bei der Dekorwahl entscheidend. Und in der Elbe ist es in der Tat egal. ;)

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  5. Als ich dort mit Jörg geangelt habe, empfand ich die Slottershads mit fluo-grünem Schwanz als auffällig gut! Mit Schmunzeln hatte ich bemerkt, dass auch Jörg (wissend oder unwissend?) sehr regelmäßig Fluoanteile im Dekor hatte! Meine waren einfach nur noch auffälliger…

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  6. … und wenn Du an anderen Gewässern als der Elbe mit „Farbe egal“ anfängst, ist es sehr häufig der Anfang eines schlechten Fangtages!

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