Enttarnt

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Seit Anbeginn der Evolution gibt es sie, die Jäger und die Gejagten!

Das Fressen und gefressen werden bestimmt seitdem die Funktionsweise von tierischen Lebensgemeinschaften in der Natur. Dabei haben sich im Laufe der Zeit verschiedenste Abwehr und Tarnmechanismen herausgebildet, um den „gejagten“ das Überleben zu erleichtern.

Ich möchte hierbei genauer auf unsere Fische und die auf sie angewandten Angeltechniken eingehen. Die bei uns heimischen Süßwasserfische haben allesamt eine natürliche Körpertarnung, die es ihnen ermöglicht, weitgehend unentdeckt durchs Leben zu kommen.

 

Natürliche Deckung

Dieses Tarnmerkmal besteht darin, dass der Rücken dunkel und der Bauch hell gefärbt sind. Eine Kombination, die den verschiedenen Angreifern das Aufspüren und Verfolgen ihrer Beute  deutlich erschwert. Dieses Tarnkonzept geht unter Wasser hervorragend auf, denn schaut man von oben auf das Gewässer, so schaut man auf den dunklen Grund und kann dabei den Fisch durch seinem dunkel angepassten Rücken nur schwer oder gar nicht erkennen.

Zumindest sticht er dem Betrachter nicht sofort ins Auge.

Würde man nun beispielsweise als Taucher vom Grund aus nach oben schauen, so blickt man gegen das helle Tageslicht und würde einen im Mittelwasser stehenden Fisch wegen seines hellen Bauches ebenfalls nur schwer oder sogar überhaupt nicht erkennen.

Dieser Tarnmechanismus schützt z.B. Kleinfische nicht nur vor dem entdeckt werden von oben durch Wasservögel, wie dem Kormoran, sondern hilft ihnen auch unter Wasser von Raubfischen nicht sofort erspäht und gefressen zu werden. Schwimmen die Kleinfische über die Räuber hinweg, wirkt ihr Tarnkleid als Schutz, genauso auch umgekehrt.

Hätte nun ein Fisch auf Grund eines Gendefektes  diese Tarnung nicht, so würde er leicht zur Zielscheibe für viele Räuber und hätte kaum eine Überlebenschance!

Die sollte er auch nicht haben, damit er nicht in der Lage ist, diesen Gendefekt weiter zu vererben. Ganz nach dem Prinzip der natürlichen Auslese oder Selektion.

Anglerisch ausgenutzt!

Bei meinen Spinnangeltouren mit Gummifisch und Wobblern habe ich mich in den Jahren 2004 und 2005 nach näherem Betrachten meiner Ködersortimente des Öfteren schon gefragt, wieso ich eigentlich mit natürlich getarnten Köderfarbkombinationen auf Raubfischpirsch gehe?!

Eigentlich bin ich doch als Spinnangler bestrebt, dass mein Köder durch seine Präsentation auch die Aufmerksamkeit meines Zielfisches weitgehend erweckt. Doch wenn ich  damals den Inhalt meiner Köderboxen aus dieser Sichtweise genauer betrachtete, so musste ich feststellen, dass alle Köder, deren Farbkombinationen im Natürlichen oder gedeckten Design gefärbt sind, eine natürliche Tarnung haben.

Die gängigsten Modelle bei denen die Tarnwirkung beim Angeln am deutlichsten wirkt sind alle Köder deren Rücken dunkler ist als der Bauch. Vor allem bei Modellen wie schwarz/weiß oder braun/weiß  war der natürliche Tarneffekt unter Wasser am größten. Bei allen ähnlich aufgebauten Köderfarbkombinationen bot ich damals einen getarnten Köder an, obwohl ich danach strebe, dass dieser den Raubfischen möglichst als Beute auffällt. Bei Gummiködern mit hoher Eigenaktion macht sicherlich der Wackelschwanz mit seinen ausgesandten Druckwellen einen großen Teil dieses kleinen Mankos wieder wett, doch bei schlanken, aktionsarmen Gummiködern mit Gabelschwanz oder Minipaddel, die ich gern verwende, bleibt mir neben der natürlichen Präsentation nur noch der Bleikopf, der durch seinen Klopfreiz einen großen Teil der Aufmerksamkeit auf sich zieht wenn man ihn gefühlvoll über den Grund führt und dabei bedenkt das man einen getarnten Köder unter die Raubfische jubelt.

Also drehte ich den Spieß um, und enttarnte meine Köder, indem wir bei den Kaulis von ZANDERKANT damals einige Farbmuster produzierten, bei denen der Rücken hell und der Bauch dunkel gefärbt waren.

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In freier Natur würde so ein Kleinfisch nicht lang überleben, da er ähnlich wie bei Albinohasen, sich zu auffällig in seiner Umgebung bewegt. Und dies versuche ich mir als Angler nun zu nutze zu machen, um meinen Köder besser ins Auge meiner Zielfische zu rücken.

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Denn mit diesen enttarnten Ködermustern die dennoch ein natürliches Auftreten haben, hatte ich sehr gute Erfahrungen im Fang von Zandern und Barschen machen können.

Ist dies auch der Grund dafür, warum im trüben Wasser Schockfarben so fängig sind, da sie keine Tarnung aufweisen? Ich denke schon.

Da ich aber in Gewässern mit klarerem Wasser keine Flouschocker auf Dauer erfolgversprechend zum Einsatz bringen kann, kommt mir ein durch seine Enttarnung auffälligerer Köder, der aber dennoch in gedeckten Farbmustern auf die Räuber wirkt gerade recht, um eine Art „Schockfarbenwirkung“ auf die Fische zu erzielen  die im Grunde genommen keine ist, da sie nicht zu grell und unnatürlich auf die Fische wirkt.

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Somit ist es mir möglich in recht sichtigen Seen und Talsperren mit dunklem Untergrund meinen natürlich wirkenden Köder in seiner Auffälligkeit aufzupeppen und somit auch in diesen für Spinnangler schwierigeren Gewässern erfolgreicher zu sein als vorher. Weil ich vor allem auch auf einen wild flatternden Schaufelschwanz eines Gummifisches verzichten kann, der in diesen Gewässertypen meiner Meinung nach die Raubfische, wie den Zander eher vergrämt, als sie zu einer Attacke auf diesen Köder zu animieren.

 

Man könnte natürlich auch seine Lieblingszanderwobbler mit denen man in warmen Sommernächten erfolgreich ist nach dem enttarnten Farbmustern umlackieren, um sie noch zielsicherer zu machen.

Denn gerade beim oberflächennahen Angeln mit Schwimmwobblern zu den Dämmerungsphasen  würde der dunkle Bauch und der helle Rücken des Wobblers eine super Siloette entstehen lassen, die für so manch schlauen Zander den Anreiz zum Biss geben würde.

Auch am Tage würde man einen solch enttarnten Wobbler enorm in seiner Fängigkeit steigern, wenn man ihn zum Spinnangeln einsetzt.

Sie sehen also das sich die Möglichkeiten dadurch in vielen Bereichen neu orientieren und es hoffentlich auch bei Ihnen für so manche schöne Überraschung am Wasser sorgen wird.

Petri Heil beim experimentieren: Sebastian Hänel

Über den Autor

Sebastian Hänel

Sebastian Hänel ist Redaktionsmitarbeiter bei den Fachmagazinen FISCH & FANG und DER RAUBFISCH. 1984 im beschaulichen Westerzgebirge geboren, kam Sebastian mit 12 Jahren zum Angeln. Heute gibt der gelernte Forstwirt in spannenden Vorträgen auf Fachmessen und Seminaren Einblicke in seine Welt des Zanderangelns. Im Blog der FISCH & ANGEL schreibt Sebastian über seine Praxiserfahrungen und gibt wertvolle Tipps.

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